Freitag, 21. November 2014

Lyrischer Freitag

Erich Kästner
Nasser November

Ziehen Sie die ältesten Schuhe an,
die in Ihrem Schrank vergessen stehn!
Denn Sie sollten wirklich dann und wann
auch bei Regen durch die Straßen gehn.

Sicher werden Sie ein bißchen frieren,
und die Straßen werden trostlos sein.
Doch trotz alledem: gehn Sie nur spazieren!
Und, wenn`s irgend möglich ist, allein.

Müde fällt der Regen durch die Äste.
Und das Pflaster glänzt wie blauer Stahl.
Und der Regen rupft die Blätterreste.
Und die Bäume werden alt und kahl.

Abends tropfen hunderttausend Lichter
zischend auf dem glitschigen Asphalt.
Und die Pfützen haben fast Gesichter.
Und die Regenschirme sind der Wald.

Ist es nicht, als stiegen Sie durch Träume?
Und Sie gehn doch nur durch eine Stadt!
Und der Herbst rennt torkelnd gegen Bäume.
Und im Wipfel schwankt das letzte Blatt.

Geben Sie ja auf die Auto`s acht.
Gehn Sie, bitte, falls Sie frieren, nach Haus!
Sonst wird noch ein Schnupfen heimgebracht.
Und-, ziehn Sie sofort die Schuhe aus!


Einen Schnupfen solltet Ihr natürlich nicht mit nach Hause bringen, aber vielleicht mögt Ihr ein paar Hagebutten sammeln, und laßt Euch von folgenden Bilder inspirieren.

Ich habe aus Weiden einen einfachen Kranz gebunden, und die Hagebuttenkette dort hinein montiert.
So hängt er nun an meiner Haustür.







Kommentare:

  1. Danke Anne, es hat auch wirklich Spaß gemacht :-)

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  2. oohh das Gedicht ist einfach wunderschön,und der kranz ist bildschön geworden,so zauberhaft.
    ich mag kästner so gern.

    GLG Jeannette

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